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Schmerzklinik ist nach § 40 SGB V von allen gesetzlichen Krankenkassen als Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig.

SKOLIOSE

Bei der Skoliose besteht eine dauerhafte seitliche Krümmung der Körperachse als Folge einer Asymmetrie von Wirbelsäulenkomponenten. Die Ursachen können angeboren sein, z.B. bei Halb-, Blockwirbel, Dysostosen (= gestörte Knochenentwicklung), Sakralisation (= asymmetrische Verschmelzung des 5. Lendenwirbels mit dem Kreuzbein), Lumbalisation (= Trennung des 1. Kreuzbeinwirbels vom übrigen Kreuzbein) oder erworben, z.B. osteopathisch (= systemische, nichtentzündliche  Knochenerkrankungen betreffend) bei Spondylitis (= Wirbelsäulenentzündung), Rachitis (= auf Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels beruhende Erkrankung mit Skelettveränderungen) oder Verletzung, statisch bei Beckenasymmetrie, Beinlängenunterschied, myo- und neuropathisch (= Muskel- und Nervenschädigungen betreffend) bei Muskeldystrophie (= eine Form des  Muskelschwundes) bzw. Lähmungen oder brustkorbbedingt infolge Brustkorbverziehung z.B. nach Verbrennung oder Pleuraempyem (= Eiteransammlung im Brustraum). Bei Jugendlichen ist differentialdiagnostisch (= was sonst noch an Krankheiten infrage kommt) an einen Morbus Scheuermann zu denken.

Bei der Skoliose kommt es zu einer Verminderung der Atemkapazität sowie einer Rechtsherzüberlastung und häufig treten Schmerzen auf. Die Folgen sind eine deutlich eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und eine Einschränkung der Lebensqualität.

Chronische Schmerzen im Rahmen einer Skoliose betreffen hpts. den Brustwirbelsäulen- Bereich, seltener den Lendenwirbelsäulen-Bereich und wenn, dann nur den oberen Abschnitt (L1-L2(L3). Eine erwähnenswerte Ausnahme stellt das Bertolotti Syndrom dar. Hier besteht eine Ischialgie durch Nervenkompression infolge Sakralisation (= asymmetrische Verschmelzung des 5. Lendenwirbels mit dem Kreu zbein) des 5. Lendenwirbels und Skoliose.
Halswirbelsäulen-Beschwerden treten nur vereinzelt auf, dann meist im Sinne eines Ausstrahlungsphänomens.
Bei der Skoliose dominieren, statisch bedingt, reflektorische Störungen, hauptsächlich im myofaszialen
(= Muskeln und deren Gewebsumhüllung betreffend) System.
Nicht selten sind auch Interkostalnerven
(= Zwischenrippennerven) im Sinne einer pseudoradikulären Symptomatik (= Krankheitszeichen die auf eine scheinbare Beteiligung von Nervenwurzeln hinweisen) beteiligt. Eine radikuläre (= Nervenwurzel betreffende) Symptomatik kann leicht übersehen werden, da z.B. bei motorischen (= Muskelkraft betreffende) Ausfällen kaum eine körperliche Beeinträchtigung eintritt, es sei denn, es sind mehrere Interkostalnerven (= Zwischenrippennerven) betroffen, was dann zu einer Ventilationsstörung (= Störung der Atmung) führen kann, zumal bei einer höhergradigen Skoliose die Vitalkapazität (= maximales Atemvolumen) ohnehin herabgesetzt ist.
Der Schmerzcharakter im Bereich der Brustwirbelsäule wird von Skoliose -Patienten meist mit dumpf und drückend angegeben. In der Regel ist die paravertebrale
(= neben der Wirbelsäule) Muskulatur verhärtet und druckschmerzhaft. Oft besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen.

Viszerale (= aus den Eingeweiden stammende) Übertragungsschmerzen (Referred pain) sind auch bei einer Skoliose stets in die differentialdiagnostischen Erwägungen (= welche Krankheiten noch in Frage kommen könnten) mit einzubeziehen.
Affektionen
(= Störungen, Erkrankungen) von Herz und Pankreas (= Bauchspeicheldrüse) führen oft zu Beschwerden zwischen den Schulterblättern. Auch Erkrankungen der Speiseröhre, Pleura (= Brustfell) und Anomalien der Brustaorta (= Hauptschlagader) können zu Beschwerden in der Brustwirbelsäulen-Region führen.

Behandlung der Skoliose

Eine durchgreifende Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung ist nur operativ möglich. Der betroffene Patient sollte diesen Eingriff aber nur in einer Klinik durchführen lassen, die über entsprechende Erfahrungen verfügt, so z.B. die WERNER WICKER KLINIK in Bad Wildungen/Reinhardshausen.

Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Skoliose:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Mophin) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei
Skoliose eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei diesen Sch merzen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei persistierenden (= anhaltenden) Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit lang wirkenden Lokalanästhetika (z.B. Bupivacain). Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der lokalen Infiltration der meist verspannten paravertebralen (= neben der Wirbelsäule) Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Stationär führen wir diese Behandlung konsequent zweimal täglich durch, möglichst zeitlich vor Durchführung physiotherapeutischer Maßnahmen.
Periphere Schmerzprojektionen entlang der Interkostalnerven (= Zwischenrippennerven) sprechen gut auf wiederholte Interkostalblockaden an. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters erhöht werden (*siehe unten).
Bei Schmerzdominanz der unteren Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule ist auch die niedrigdosierte, kontinuierliche Epiduralblockade mit Katheter hilfreich (*siehe unten).
Eine weitere Möglichkeit bietet die gezielte Triggerpunktinfiltration nach vorheriger Identifizierung derselben.

Physikalische Therapie bei Skoliose:
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Stimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig paravertebral
(= neben der Wirbelsäule) im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei Skoliose die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca.-10 bis-15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (z.B. Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Rückenschmerzen lindern.
Erste positive Erfahrungen werden von der Magnetfeldtherapie berichtet.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Skoliose nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist bei Skoliose aber die heilgymnastische Therapie z.B. nach Schroth (dreidimensional) mit Extension
(= Ausdehnung, Ausbreitung, Streckung), Derotation (= Entgegenwirken einer Verdrehung) und Flexion (= Beugung - die aktive oder passive Bewegung der Wirbelsäule aus der Streck- bzw. Mittelstellung) sowie entsprechende Atemgymnastik (bei deutlich herabgesetzter Vitalkapazität (= das nach maximaler Ausatmung eingeatmete maximale Atemvolumen)). Auch sportliche Aktivitäten sind hilfreich (z.B. Schwimmen, Reiten). Evtl. ist auch die Anpassung einer Korsettkonstruktion (z.B. Milwaukee-Korsett) angezeigt.
Bei schmerzhaften degenerativen Veränderungen der Wirbelsäu
le wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991).

Andere Therapiemaßnahmen bei Skoliose:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus ist anzustreben, daß Patienten mit Skoliose Übungen zur Lockerung der Musku
latur erlernen.
Hypnoide Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= computergesteuerte Rückmeldung körpereigener Signale).
Psychotherapeutische Interventionen können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.

Bei längerfristig bestehenden Schmerzen aufgrund einer Skoliose ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Anhang Methodenbeschreibungen

Kontinuierliche Blockade des Nervus intercostalis (Zwischenrippennerv):
Dabei legen wir einen Katheter unterhalb der zugehörigen Rippe ein und spritzen über den Schlauch schmerzfrei alle 4-5 Stunden 2-4 ml einer höherprozentigen Lokalanästhetikalösung
(= örtliche Betäubungsmittellösung) ein. Wir wenden diese Methode hauptsächlich bei der sog. Interkostalneuralgie an.

Die kontinuierliche Periduralanästhesie mit Katheter wird zur Schmerzausschaltung bei Operationen allgemein oft angewendet, sie eignet sich vorzüglich auch zur Therapie chronischer Schmerzen. Bei dieser Methode wird im Bereich der Lendenwirbel (oder auch höher) ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung eingelegt. Dieser wird dann mehrmals täglich mit einer lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittellösung aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt, daß die Beweglichkeit, bzw. Kraft, nicht oder kaum eingeschränkt ist, so daß sich der Patient trotzdem frei bewegen kann. Gleichzeitig ist aber die Schmerzempfindlichkeit im Blockadebereich  vermindert oder gar aufgehoben ,so daß begleitend die notwendigen intensiven krankengymnastischen Beübungen durchgeführt werden können. Zusätzlich nimmt die allgemeine Durchblutung in diesem Bereich zu.
Eine peridurale Blockade im Thora
kal-Bereich (= Brustwirbelbereich) bedarf einer sehr strengen Indikationsstellung, weil das therapeutische Risiko ungleich höher anzusetzen ist.
Eine indirekte, peridurale Blockade im Brus
tbereich läßt sich mit geringerem Risiko mittels der lumbalen Periduralblockade erzielen (wie zuvor beschrieben), in dem das verabreichte Volumen so erhöht wird, daß die thorakalen Segmente erreicht werden.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).

Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen.

Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch zwischen 13.00 und 14 Uhr oder Donnerstag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).

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Aktualisiert:>26.07.2008</> kusb&
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