Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig.
SKOLIOSE
Bei der Skoliose besteht eine dauerhafte seitliche Krümmung der Körperachse als Folge einer Asymmetrie von Wirbelsäulenkomponenten. Die Ursachen können angeboren sein, z.B. bei Halb-, Blockwirbel, Dysostosen (= gestörte Knochenentwicklung), Sakralisation (= asymmetrische Verschmelzung des 5. Lendenwirbels mit dem Kreuzbein), Lumbalisation (= Trennung des 1. Kreuzbeinwirbels vom übrigen Kreuzbein) oder erworben, z.B. osteopathisch (= systemische, nichtentzündliche Knochenerkrankungen betreffend) bei Spondylitis (= Wirbelsäulenentzündung), Rachitis (= auf Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels beruhende Erkrankung mit Skelettveränderungen) oder Verletzung, statisch bei Beckenasymmetrie, Beinlängenunterschied, myo- und neuropathisch (= Muskel- und Nervenschädigungen betreffend) bei Muskeldystrophie (= eine Form des Muskelschwundes) bzw. Lähmungen oder brustkorbbedingt infolge Brustkorbverziehung z.B. nach Verbrennung oder Pleuraempyem (= Eiteransammlung im Brustraum). Bei Jugendlichen ist differentialdiagnostisch (= was sonst noch an Krankheiten infrage kommt) an einen Morbus Scheuermann zu denken.
Bei der Skoliose kommt es zu einer Verminderung der Atemkapazität sowie einer Rechtsherzüberlastung und häufig treten Schmerzen auf. Die Folgen sind eine deutlich eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und eine Einschränkung der Lebensqualität.
Chronische Schmerzen im
Rahmen einer Skoliose betreffen hpts. den Brustwirbelsäulen- Bereich,
seltener den Lendenwirbelsäulen-Bereich und wenn, dann nur den oberen Abschnitt
(L1-L2(L3). Eine erwähnenswerte Ausnahme stellt das
Bertolotti Syndrom
dar. Hier besteht eine
Ischialgie
durch Nervenkompression infolge Sakralisation (=
asymmetrische Verschmelzung des 5. Lendenwirbels mit dem Kreu zbein) des
5. Lendenwirbels und Skoliose.
Halswirbelsäulen-Beschwerden treten nur vereinzelt auf, dann meist im Sinne
eines Ausstrahlungsphänomens.
Bei der Skoliose dominieren, statisch bedingt, reflektorische Störungen,
hauptsächlich im myofaszialen (= Muskeln
und deren Gewebsumhüllung betreffend)
System.
Nicht selten sind auch Interkostalnerven (=
Zwischenrippennerven) im Sinne einer
pseudoradikulären Symptomatik (=
Krankheitszeichen die auf eine scheinbare Beteiligung von Nervenwurzeln
hinweisen) beteiligt. Eine radikuläre (=
Nervenwurzel betreffende) Symptomatik
kann leicht übersehen werden, da z.B. bei motorischen (=
Muskelkraft betreffende) Ausfällen kaum
eine körperliche Beeinträchtigung eintritt, es sei denn, es sind mehrere
Interkostalnerven (= Zwischenrippennerven)
betroffen, was dann zu einer
Ventilationsstörung (= Störung der
Atmung) führen kann, zumal bei einer
höhergradigen Skoliose die Vitalkapazität (=
maximales Atemvolumen) ohnehin
herabgesetzt ist.
Der Schmerzcharakter im Bereich der Brustwirbelsäule wird von Skoliose -Patienten meist mit dumpf und drückend angegeben. In der Regel ist die
paravertebrale (= neben der Wirbelsäule) Muskulatur
verhärtet und druckschmerzhaft. Oft besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über
den Dornfortsätzen.
Viszerale (= aus den
Eingeweiden stammende) Übertragungsschmerzen
(Referred pain) sind auch bei einer Skoliose stets in die
differentialdiagnostischen Erwägungen (=
welche Krankheiten noch in Frage kommen könnten)
mit einzubeziehen.
Affektionen (=
Störungen, Erkrankungen) von Herz und
Pankreas (= Bauchspeicheldrüse)
führen oft zu Beschwerden zwischen den Schulterblättern. Auch Erkrankungen der
Speiseröhre, Pleura (= Brustfell)
und Anomalien der Brustaorta (=
Hauptschlagader) können zu Beschwerden
in der Brustwirbelsäulen-Region führen.
Behandlung der Skoliose
Eine durchgreifende Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung ist nur operativ möglich. Der betroffene Patient sollte diesen Eingriff aber nur in einer Klinik durchführen lassen, die über entsprechende Erfahrungen verfügt, so z.B. die WERNER WICKER KLINIK in Bad Wildungen/Reinhardshausen.
Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Skoliose:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Mophin) (= im
Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Skoliose eine
längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber
auch bei diesen Sch
merzen hilfreich) (z.B.
Doxepin, Maprotilin) oder auch
Neuroleptika hilft in vielen
Fällen
Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie (=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei persistierenden (=
anhaltenden) Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische
Lokalanästhesie mit lang wirkenden Lokalanästhetika (z.B.
Bupivacain). Die
einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der lokalen Infiltration der
meist verspannten paravertebralen (=
neben der Wirbelsäule) Muskulatur.
Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5%
völlig aus. Stationär führen wir diese Behandlung konsequent zweimal täglich
durch, möglichst zeitlich vor Durchführung physiotherapeutischer Maßnahmen.
Periphere Schmerzprojektionen entlang der Interkostalnerven
(= Zwischenrippennerven)
sprechen gut auf wiederholte Interkostalblockaden an. In hartnäckigen Fällen
kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters erhöht werden (*siehe
unten).
Bei Schmerzdominanz der unteren Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule ist auch die
niedrigdosierte,
kontinuierliche Epiduralblockade mit Katheter hilfreich (*siehe unten).
Eine weitere Möglichkeit bietet die gezielte Triggerpunktinfiltration nach
vorheriger Identifizierung derselben.
Physikalische Therapie bei Skoliose:
Auch die Elektrostimulation kann eine
Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Stimulation mit
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich
die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig
paravertebral
Andere Therapiemaßnahmen bei
Skoliose:
Der Vollständigkeit halber
darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle
Ergotherapie). Darüber hinaus ist anzustreben, daß Patienten mit Skoliose Übungen zur Lockerung der Musku latur erlernen.
Hypnoide Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind eine
sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso Biofeedback (=
computergesteuerte Rückmeldung körpereigener Signale).
Psychotherapeutische Interventionen können beim ausgeprägten
"psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch verdrängte
Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Bei längerfristig bestehenden Schmerzen aufgrund einer Skoliose ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Anhang Methodenbeschreibungen
Kontinuierliche Blockade des Nervus intercostalis
(Zwischenrippennerv):
Dabei legen wir einen Katheter unterhalb der zugehörigen
Rippe ein und spritzen über den Schlauch schmerzfrei alle 4-5 Stunden 2-4 ml
einer höherprozentigen Lokalanästhetikalösung (=
örtliche Betäubungsmittellösung) ein. Wir wenden diese Methode
hauptsächlich bei der sog. Interkostalneuralgie an.
Die
kontinuierliche
Periduralanästhesie mit Katheter wird zur Schmerzausschaltung bei Operationen
allgemein oft angewendet, sie eignet sich vorzüglich auch zur Therapie
chronischer Schmerzen. Bei dieser Methode wird im Bereich der Lendenwirbel (oder
auch höher) ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung eingelegt.
Dieser wird dann mehrmals täglich mit einer lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittellösung aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so
gewählt, daß die Beweglichkeit, bzw. Kraft, nicht oder kaum eingeschränkt ist,
so daß sich der Patient trotzdem frei bewegen kann. Gleichzeitig ist aber die
Schmerzempfindlichkeit im Blockadebereich vermindert oder gar aufgehoben
,so daß begleitend die notwendigen intensiven krankengymnastischen Beübungen
durchgeführt werden können. Zusätzlich nimmt die allgemeine Durchblutung in diesem Bereich zu.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen.
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Aktualisiert:>26.07.2008</>
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